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Musiker-Website erstellen: deine eigene Bühne im Netz

Redaktionelle Illustration zum Beitrag „Musiker Website erstellen: Mehr als Streaming-Profile“
Illustration: dzeksn

Du hast ein Künstlerprofil auf den Streaming-Plattformen, ein paar tausend Follower und eine Link-in-Bio-Seite, die alles zusammenhält. Brauchst du da wirklich noch eine eigene Website? Die kurze Antwort: Ja — weil alles, was du gerade aufgezählt hast, auf gemietetem Boden steht.

Dein Streaming-Profil gehört der Plattform. Sie bestimmt, wie es aussieht, was du dort zeigen darfst und ob der Algorithmus dich morgen noch ausspielt. Deine Link-in-Bio-Seite ist eine Linkliste ohne Geschichte, ohne Suchmaschinen-Präsenz, ohne Platz für das, was dich als Künstler ausmacht. Eine eigene Website ist die einzige Fläche im Netz, die dir gehört: dein Design, deine Inhalte, deine Regeln, deine Adresse — dauerhaft.

Und sie ist der Ort, an dem drei Gruppen alles finden, was sie suchen: Fans, Presse und Veranstalter. In diesem Artikel geht es darum, was auf diese Fläche gehört und wie zwei sehr unterschiedliche Musiker aus München das gelöst haben.

Das Problem mit geliehenen Flächen

Streaming-Profile und Social-Kanäle sind Reichweiten-Werkzeuge — als Zuhause taugen sie nicht:

  • Du kontrollierst nichts. Layout, Reihenfolge, Sichtbarkeit: alles Plattform-Entscheidung. Ein Algorithmus-Update, und deine organische Reichweite halbiert sich ohne Vorwarnung.
  • Deine Geschichte hat keinen Platz. Ein Streaming-Profil zeigt Tracks und Monatshörer. Nicht, wer du bist, wie deine Musik entsteht, was dein neues Album erzählt.
  • Presse findet nichts. Eine Journalistin, die über dich schreiben will, braucht Bio, Pressefotos und Fakten an einem Ort — nicht verstreut über fünf Profile.
  • Google und KI-Suchen gehen leer aus. Wer deinen Künstlernamen googelt und nur Fremdplattformen findet, bekommt deren Version von dir — nicht deine.

Die Plattform-Profile bleiben trotzdem wichtig. Die Website ersetzt sie nicht — sie ist die Zentrale, auf die alle zeigen.

Was Fans, Presse und Booker wirklich suchen

Drei Zielgruppen, drei verschiedene Erwartungen — und eine gute Musiker-Website bedient alle:

  • Fans wollen hören und stöbern: neue Releases, Videos, die Geschichte hinter dem Album, kommende Termine.
  • Presse und Blogs wollen ein EPK (Electronic Press Kit): eine Kurz-Bio und eine ausführliche Bio, druckfähige Fotos, Links zu den wichtigsten Releases, Kontakt.
  • Veranstalter und Kooperationspartner wollen wissen, ob du professionell arbeitest — und wie sie dich unkompliziert erreichen.

Wer nur eine Linkliste anbietet, schickt alle drei Gruppen auf eine Schnitzeljagd. Die meisten brechen sie ab.

Diese Bausteine gehören auf deine Musiker-Website

Du brauchst kein riesiges Portal. Fünf Bausteine decken fast alles ab:

  1. Musik: Deine Releases, anhörbar direkt auf der Seite — als eingebettete Player, im Idealfall datenschutzfreundlich gelöst (dazu unten mehr). Plus Links zu allen Plattformen, auf denen es dich gibt.
  2. Videos: Musikvideos, Session-Mitschnitte, Studio-Einblicke. Auch hier gilt: einbetten statt nur verlinken, damit niemand deine Seite verlassen muss.
  3. Bio und EPK: Wer du bist, in zwei Längen (drei Sätze für Eilige, eine ganze Geschichte für Interessierte), dazu Fotos in Druckqualität. Brauchbare Bilder bekommst du notfalls auch ohne Fotografen hin — wie, zeigt Fotos für die Website selber machen.
  4. Termine: Konzerte, Sessions, Releases. Selbst wenn du selten live spielst: Ein leerer Termine-Bereich ist besser als gar keiner, denn er zeigt, wo man nachschauen kann.
  5. Kontakt und Rechtliches: Eine erreichbare Kontaktmöglichkeit für Booking und Presse — plus Impressum und Datenschutzerklärung, die in Deutschland auch für Künstler-Websites Pflicht sind.

Alben richtig präsentieren statt nur verlinken

Hier liegt der größte Unterschied zwischen einer Linkliste und einer echten Website. Ein Album ist ein Werk mit Kontext: Entstehung, Konzept, Artwork, vielleicht Gastmusiker oder eine besondere Aufnahme-Geschichte. Auf deiner Website kannst du:

  • jedem Album oder Release einen eigenen Abschnitt mit Artwork, Text und Player geben,
  • die Reihenfolge selbst bestimmen — das aktuelle Album prominent, der Backkatalog dahinter,
  • die Geschichte erzählen, die auf keiner Plattform Platz hat.

Genau das macht aus „noch einem Track im Feed" ein Werk, das man sich merkt.

Gefunden werden: Google und die KI-Suche

Eine eigene Website ist die Voraussetzung dafür, dass die Suche nach deinem Künstlernamen — oder nach deinem Genre plus Stadt — bei dir landet und nicht nur bei Drittplattformen. Dazu gehören saubere Seitentitel und Beschreibungen, strukturierte Daten (damit Suchmaschinen verstehen: Das ist ein Musiker, das sind seine Alben) und Inhalte in Textform, denn Suchmaschinen können deine Musik nicht hören.

Der gleiche Effekt gilt inzwischen für KI-Assistenten: Wer dort nach Künstlern oder Musik gefragt wird, zieht seine Antworten aus auslesbaren Websites. Ohne eigene Seite bist du in diesen Antworten schlicht nicht vorhanden — die Hintergründe erklärt In der KI-Suche gefunden werden. Und warum Social-Profile das nicht auffangen, liest du in Reicht Social Media statt Website?.

Zwei Wege, ein Ziel: zwei Beispiele aus München

Es gibt nicht den einen richtigen Weg zur Musiker-Website. Zwei Projekte aus unserer Arbeit zeigen die beiden Enden des Spektrums:

Bestandsseite modernisiert: Charas Lounge

Charas Lounge ist das Musikprojekt des Münchner Komponisten und Produzenten Ramon Giannini — Lo-Fi, Chillhop, Lounge. Seine Website gab es schon, und das Design blieb bewusst erhalten: Es gehört zum Projekt. Nachgerüstet wurde das Fundament darunter — sauberes SEO mit Metadaten und strukturierten Daten, Impressum und Datenschutzerklärung, moderne WebP-Bilder für schnellere Ladezeiten, eine aufgeräumte Album-Präsentation und datenschutzfreundliche Zwei-Klick-Player: Die eingebetteten Spotify- und Vimeo-Inhalte laden erst, wenn der Besucher sie aktiv anklickt. So wurde aus einer gewachsenen Künstlerseite eine technisch saubere — ohne ihren Charakter anzutasten.

Kompletter Neubau: Benji Holiday

Das Gegenmodell ist benjiholiday.com: Der Münchner Musiker und DJ Benji Holiday hat seinen Baukasten-Vorgänger durch einen kompletten Neubau ersetzt — mit eigenem Design, das die Dramaturgie eines Abends von der Golden Hour in die Nacht erzählt, klar strukturierten Angeboten von Events bis Musikunterricht und einer durchdachten Anfrage-Strecke. Wie eine Website gezielt aufs DJ-Booking optimiert wird, liest du im Detail in DJ-Website erstellen.

Die Lehre aus beiden: Ob du bei einer bestehenden Seite das Fundament erneuerst oder komplett neu baust, hängt davon ab, was schon da ist und wohin du willst. Was beide Wege ungefähr kosten, ordnet Was kostet eine Website? ein.

Häufige Fragen

Reicht nicht eine Link-in-Bio-Seite als Mini-Website?

Für den Instagram-Link: ja. Als Web-Präsenz: nein. Eine Link-in-Bio-Seite ist eine Weiterleitung, keine Heimat — sie hat kaum Chancen, bei Google zu ranken, bietet keinen Platz für Bio, EPK oder Album-Geschichten, und sie läuft auf einer fremden Domain unter fremden Regeln. Als Ergänzung unschädlich, als Ersatz für eine Website ungeeignet.

Was kostet eine Musiker-Website ungefähr?

Das hängt stark vom Umfang ab. Eine kompakte Künstlerseite mit Musik, Bio, Terminen und Kontakt ist deutlich günstiger als ein großes Projekt mit vielen Unterseiten — und wenn deine bestehende Seite im Kern gut ist, kann eine Modernisierung (SEO, Rechtstexte, Performance, Player) wie bei Charas Lounge der wirtschaftlichste Weg sein. Eine ehrliche Preisübersicht nach Projektgröße findest du unter Was kostet eine Website?.

Brauche ich als Musiker in Deutschland wirklich ein Impressum?

Sobald deine Website nicht rein privat ist — und das ist sie bei einem Künstlerprojekt mit Releases, Booking-Kontakt oder Merch praktisch nie —, brauchst du in aller Regel ein Impressum und eine Datenschutzerklärung. Das gilt unabhängig davon, wie klein das Projekt ist. Fehlende Rechtstexte gehören zu den häufigsten und am leichtesten vermeidbaren Abmahn-Risiken.

Kann ich meine Musik einfach von den Streaming-Plattformen einbetten?

Technisch ja, rechtlich mit Vorsicht: Eingebettete Player laden beim Seitenaufruf Daten von Drittservern, was datenschutzrechtlich problematisch sein kann. Die saubere Lösung sind Zwei-Klick-Embeds, bei denen der Player erst nach einem bewussten Klick des Besuchers lädt — so umgesetzt zum Beispiel auf charas-lounge.com für Spotify- und Vimeo-Inhalte. Wie du solche Player Schritt für Schritt datenschutzfreundlich einbaust, erklärt Spotify und YouTube DSGVO-konform einbinden.

Muss meine Musiker-Website auf Englisch sein?

Kommt auf dein Publikum an. Wenn deine Hörerschaft international ist — bei Instrumental-Genres wie Lo-Fi oder Chillhop fast immer der Fall —, spricht viel für Englisch oder Zweisprachigkeit; Charas Lounge etwa führt seine Seite auf Englisch. Singst du auf Deutsch und spielst vor allem hier, reicht Deutsch. Eine Entscheidungshilfe mit allen Abwägungen bietet Website auf Englisch — lohnt sich das?.