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Website mieten oder kaufen? Die ehrliche Rechnung für KMU

Redaktionelle Illustration zum Beitrag „Website mieten oder kaufen? Die ehrliche Rechnung“
Illustration: dzeksn

„Ihre Website ab 49 Euro im Monat — ohne Anfangsinvestition." Solche Angebote bekommen viele Unternehmer regelmäßig ins Postfach. Das Mietmodell klingt verlockend: kein großer Betrag am Anfang, alles inklusive, kein Aufwand. Auf der anderen Seite steht der klassische Kauf: einmal investieren, danach gehört die Website Ihnen.

Die kurze Antwort vorweg: Für die allermeisten kleinen und mittleren Unternehmen ist der Kauf die wirtschaftlich und strategisch bessere Entscheidung. Nicht, weil Mietmodelle unseriös wären — sondern weil Sie beim Mieten dauerhaft zahlen, ohne jemals etwas zu besitzen. Nach fünf Jahren Miete haben Sie oft mehr ausgegeben als für einen Kauf, stehen aber bei Kündigung mit leeren Händen da.

Warum das so ist, rechnen wir in diesem Beitrag transparent durch — und geben Ihnen eine Checkliste an die Hand, mit der Sie jedes Angebot in fünf Minuten einordnen können.

Das Mietmodell: Was Sie wirklich bekommen

Beim Mietmodell (oft „Website-Abo" oder „Website-as-a-Service" genannt) baut die Agentur Ihre Website und Sie zahlen einen monatlichen Betrag, solange die Seite online ist. Enthalten sind meist Hosting, kleinere Anpassungen und Support.

Die Vorteile sind real:

  • Niedriger Einstieg — keine vierstellige Anfangsinvestition
  • Planbare monatliche Kosten
  • Technik und Wartung sind Sache der Agentur

Die Kehrseite steht selten im Angebot:

  • Die Website gehört Ihnen nie. Design, Code, oft sogar die Inhalte bleiben Eigentum der Agentur.
  • Kündigung heißt meist: Seite offline. Sie fangen bei null an — nach Jahren des Zahlens.
  • Abhängigkeit: Preiserhöhungen, Leistungskürzungen oder eine Geschäftsaufgabe der Agentur treffen Sie direkt.
  • Läuft die Domain über die Agentur, verlieren Sie im schlimmsten Fall auch noch Ihre Web-Adresse und Ihre Google-Rankings.

Wichtig: Ein Mietvertrag ist nicht automatisch unseriös. Entscheidend ist, was bei Kündigung passiert — genau danach sollten Sie vor der Unterschrift fragen.

Das Kaufmodell: Einmal investieren, dauerhaft besitzen

Beim Kauf bezahlen Sie die Erstellung einmalig. Danach gehören Ihnen Design, Code, Inhalte und Domain vollständig. Die laufenden Kosten beschränken sich auf Domain (etwa 10 bis 20 Euro pro Jahr) und Hosting — das bei statischen Websites sogar kostenlos sein kann, dazu gleich mehr.

  • Volle Kontrolle: Sie entscheiden, wer die Seite pflegt, wo sie liegt, was sich ändert
  • Minimale Laufkosten nach der Erstinvestition
  • Kein Vertragsrisiko: Niemand kann Ihnen die Seite „abschalten"
  • Die Website ist ein Vermögenswert Ihres Unternehmens, kein Mietobjekt

Der Nachteil ist ehrlicherweise der Einstiegspreis. Was realistisch ist, haben wir im Beitrag Was kostet eine Website für KMU? aufgeschlüsselt. Bayerische Unternehmen sollten außerdem den Digitalbonus Bayern prüfen, der die Einmalinvestition deutlich senken kann.

Die 5-Jahres-Rechnung

Die folgenden Zahlen sind eine Beispielrechnung mit typischen Marktgrößen, keine Preisliste. Ihre konkreten Angebote können abweichen.

Variante Miete

  • 79 Euro pro Monat für eine Firmenwebsite im Abo
  • 5 Jahre × 12 Monate × 79 Euro = 4.740 Euro
  • Besitz nach 5 Jahren: nichts. Bei Kündigung geht die Seite offline.
  • Danach: weiter 948 Euro pro Jahr — dauerhaft.

Variante Kauf

  • Einmalig 3.500 Euro für eine vergleichbare, individuell erstellte Website
  • Domain: 5 Jahre × 15 Euro = 75 Euro
  • Hosting: 0 Euro (statische Website, selbst gehostet — siehe Fallbeispiel unten) oder wenige Euro monatlich bei klassischem Hosting
  • Gesamt nach 5 Jahren: rund 3.575 Euro
  • Besitz nach 5 Jahren: die komplette Website. Danach fallen nur noch die Domainkosten an.

Schon im Beispiel liegt der Kauf nach fünf Jahren vorn — und die Schere öffnet sich jedes weitere Jahr um fast 1.000 Euro. Der eigentliche Unterschied ist aber nicht der Betrag, sondern die Position: Der Käufer besitzt etwas, der Mieter besitzt nichts.

Fallbeispiel: Maschinen Niedermeier — 100 Prozent Eigentum, null Monatskosten

Wie das Kaufmodell konsequent zu Ende gedacht aussieht, zeigt unser Kunde Maschinen Niedermeier, eine KFZ- und Landmaschinen-Werkstatt in Scheyern bei Pfaffenhofen.

Wir haben die Website gebaut und komplett an den Kunden übergeben:

  • Die Website gehört ihm zu 100 Prozent — Code, Design, Inhalte, Domain
  • Er hostet sie selbst und kostenlos auf GitHub Pages, mit eigener Domain
  • Laufende Kosten: nur die Domain, keinerlei Agentur- oder Mietgebühren
  • Technisch ist es eine statische Website mit vollständigem SEO und echtem Werkstattfoto statt Stockbild

Es besteht keine Abhängigkeit von uns: Wollte der Kunde morgen mit einer anderen Agentur weiterarbeiten, könnte er das — alle Dateien liegen bei ihm. Genau das ist der Maßstab, an dem Sie jedes Angebot messen sollten. Wie solches kostenloses Hosting für statische Websites technisch funktioniert, erklärt Website kostenlos hosten; mehr zur Branche im Beitrag Website für die KFZ-Werkstatt.

Wann Mieten trotzdem passen kann

Der Fairness halber: Es gibt Situationen, in denen ein Mietmodell vertretbar ist.

  • Sie gründen gerade und haben schlicht kein Budget für eine Einmalinvestition
  • Sie brauchen die Website nur befristet (Projekt, Event, Testphase)
  • Der Vertrag enthält eine faire Ablöse-Option, mit der Sie die Seite später kaufen können

In allen anderen Fällen zahlen Sie mit der Miete vor allem eines: die Marge der Agentur, Jahr für Jahr.

Checkliste: Diese Fragen stellen Sie vor jeder Unterschrift

  1. Wem gehört die Domain? Sie muss auf Ihren Namen registriert sein — nicht auf die Agentur. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt.
  2. Wem gehören Code und Design? Lassen Sie sich die vollständige Rechteübertragung schriftlich zusichern.
  3. Wem gehören die Inhalte? Texte und Fotos, die Sie bezahlt haben, müssen Ihnen gehören — inklusive Herausgabe der Dateien.
  4. Was passiert bei Kündigung? Bekommen Sie die komplette Website als lauffähige Dateien? Oder geht sie offline?
  5. Gibt es eine Mindestlaufzeit und wie entwickelt sich der Preis? Achten Sie auf automatische Verlängerungen und Preisanpassungsklauseln.
  6. Können Sie den Hoster frei wählen? Eine Website, die nur auf den Systemen der Agentur läuft, ist faktisch gemietet — egal, was im Vertrag steht.
  7. Was kostet die Ablöse? Falls Mietmodell: Gibt es einen festen Kaufpreis, zu dem Sie später übernehmen können?

Wer diese sieben Fragen stellt, sortiert unseriöse Angebote in Minuten aus. Umgesetzte Kaufprojekte können Sie in unserem Showroom ansehen; was ein Neubau kostet, steht im Beitrag Website neu machen lassen — Kosten.

Häufige Fragen

Ist eine Miet-Website steuerlich nicht günstiger?

Mietraten sind sofort absetzbarer Aufwand, eine gekaufte Website wird über die Nutzungsdauer abgeschrieben — beides mindert den Gewinn, nur zeitlich unterschiedlich verteilt. Der Steuereffekt gleicht den Kostennachteil der Miete über fünf Jahre in aller Regel nicht aus. Lassen Sie das im Zweifel von Ihrer Steuerberatung durchrechnen.

Was passiert bei einer Miet-Website, wenn die Agentur schließt?

Im schlechtesten Fall geht Ihre Website offline und Sie haben keinen Zugriff auf Dateien oder Domain. Genau deshalb gehört die Domain immer auf Ihren Namen und die Herausgabe der Website-Dateien vertraglich geregelt — unabhängig vom Modell.

Kann ich eine gemietete Website später kaufen?

Nur, wenn der Vertrag eine Ablöse-Option vorsieht. Manche Agenturen bieten das an, viele nicht. Fragen Sie vor Vertragsabschluss nach einem festen Ablösepreis — die Antwort verrät viel über die Seriosität des Angebots.

Wer pflegt die gekaufte Website, wenn die Agentur raus ist?

Sie haben die freie Wahl: dieselbe Agentur auf Stundenbasis, eine andere Agentur oder — bei statischen Websites mit sauber strukturierten Dateien — für Kleinigkeiten wie Öffnungszeiten auch Sie selbst. Eigentum bedeutet nicht, dass Sie alles selbst machen müssen, sondern dass Sie entscheiden, wer es macht.

Sind 3.500 Euro im Beispiel realistisch?

Als Größenordnung für eine individuell erstellte Firmenwebsite mit mehreren Seiten und SEO: ja. Je nach Umfang, Region und Anspruch reicht die Spanne deutlich darunter und darüber — eine detaillierte Aufschlüsselung finden Sie in den Beiträgen Was kostet eine Website für KMU? und Webdesigner München: Kosten.